Die deutsche Konjunktur nimmt 2013 wieder Fahrt auf

Alexander Fuchs

Die deutsche Volkswirtschaft hat sich auch 2012 in dem schwierigen Umfeld der Schuldenkrise wacker geschlagen. Spurlos ist die Krise aber nicht an Deutschland vorübergegangen.

Seit der Eskalation im Sommer vergangenen Jahres reagieren die Unternehmen auf die dadurch verursachte Unsicherheit mit der von uns erwarteten Reduzierung ihrer Investitionen in Maschinen und Lager. Dennoch konnte das Bruttoinlandsprodukt 2012 mit erfreulichen 0,6 % zulegen.

Zu verdanken war das im Wesentlichen zwei Faktoren: Zum einen konnten die Unternehmen lange Zeit die Absatzverluste auf ihrem Heimatmarkt Europa durch die Ausfuhrerfolge in die Wachstumsmärkte kompensieren. Zum anderen erwies sich erwartungsgemäß der Konsum als ein Stabilisator: Dank eines robusten Arbeitsmarktes und üppiger Lohnabschlüsse erhöhten die privaten Haushalte ihre Konsumausgaben abermals spürbar.

Aufschub von Investitionen und Kurzarbeit
Doch im Verlauf des Jahres begann sich das Konjunkturbild einzutrüben. Die Unternehmen registrierten, dass zur europäischen Nachfrageschwäche auch eine Abkühlung der Konjunktur in den Wachstumsmärkten hinzukam. Sie reagierten darauf mit Kosteneinsparungen, dem weiteren Aufschub von Investitionen und ab Herbst mit Produktionsdrosselungen. Das schlug sich auch in steigenden Anträgen auf Kurzarbeit nieder. Diese Kombination aus anhaltender Verunsicherung und geringeren Stimuli vom Außenhandel bestimmen zunächst das Konjunkturbild. Im Schlussquartal 2012 ist die deutsche Konjunktur das erste Mal seit einem Jahr wieder unter die Nulllinie abgetaucht und geschrumpft.

Prognosen nur bedingt möglich
Für die weitere Entwicklung ist der Verlauf der Schuldenkrise von entscheidender Bedeutung. Zunächst wird die Unsicherheit über den Fortgang der Krise bestehen bleiben. Ein wesentliches Datum auf dem Weg durch das kommende Jahr sind die Wahlen in Italien. Sollte eine Pro-Reformregierung gewählt werden, wäre die erste Hürde genommen. Je stärker sich der Eindruck verfestigt, dass die Politik (Regierungen und Zentralbank) die Entwicklungen unter Kontrolle haben, desto stärker wird die Verunsicherung weichen.

Die deutsche Volkswirtschaft profitiert davon gleich in doppelter Hinsicht: Stabilisieren sich die europäischen Exportmärkte bei einer gleichzeitigen Belebung der Konjunktur im Rest der Welt, kommen wieder stärkere Impulse für den Export. Die sinkende Unsicherheit belebt den Investitionszyklus wieder, nicht zuletzt auch wegen des Nachholbedarfs. Das niedrige Zinsniveau wirkt dabei in Richtung 2014 wie ein Turbolader – auch für Investitionen in Gebäude.

Eine wesentliche Rolle kommt auch dem Konsum zu. Angesichts eines wieder leicht aufwärtsgerichteten Arbeitsmarktes und hinreichend hoher, aber nicht übertriebener Lohnabschlüsse, entfaltet der private Konsum sogar zusätzliche Schubkraft. Selbst die Staatsausgaben werden – wie in fast jedem Bundestagswahljahr – etwas stärker zulegen als in den Jahren zuvor und danach. Dann würde der deutsche Konjunkturmotor wieder auf allen Zylindern laufen und das Bruttoinlandsprodukt mit 2 % zulegen können.

In diesen Tagen wie auch in den letzten Jahren basieren die Konjunkturprognosen wesentlich auf den Annahmen über die weitere Entwicklung der Schuldenkrise. Damit dominiert auch weiterhin die politische Entwicklung die ökonomische und somit auch die Prognosen für Europa und Deutschland.

Ein Konjunkturkommentar von Dr. Ulrich Kater (Chefvolkswirt der DekaBank)

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