Die Probleme in Europa und Asien holen die deutschen Unternehmen ein

Alexander Fuchs

Die Stimmung der deutschen Unternehmen hat sich im Oktober weiter eingetrübt. Das ifo Geschäftsklima sank entgegen den Markterwartungen von 101,4 auf 100,0 Punkte.

Erfreulicherweise blieben die Geschäftserwartungen stabil auf dem Vormonatsniveau von 93,2 Punkten, die Einschätzung der aktuellen Lage gab allerdings überdurchschnittlich stark um 3 Punkte auf einen Stand von 107,3 Punkten nach. Der Zeiger unserer um den strukturellen Pessimismus bereinigten ifo-Uhr bewegte sich im Abschwungsbereich weiter in Richtung des Rezessionsbereichs.

Konjunktur kühlt merklich ab
Vorboten für die Eintrübung der Geschäftslage gab es zuhauf: Die Unternehmen sprachen in immer düsteren Tönen über ihre Geschäftsentwicklungen, sie berichteten von Kosteneinsparungsprogrammen, Investitionsaufschub, Produktionsdrosselungen und zuletzt wieder vermehrt von Kurzarbeit. Das schlug sich sogar in handfesten Daten nieder: Die von den Unternehmen angemeldete Kurzarbeit hat sich im September deutlich erhöht. Nun hat im Oktober die Einschätzung der Geschäftslage spürbar nachgegeben. Das deutet auf eine Abkühlung der Konjunktur im vierten Quartal hin.

Erfreulich ist aber, dass die Geschäftserwartungen stabil geblieben sind. Das Niveau ist weiterhin schlecht, aber es ging nicht weiter zurück, in der Industrie sogar erstmals wieder aufwärts. Noch immer lastet die Unsicherheit über den Fortgang der Schuldenkrise in Europa und die globale Konjunktur auf der Unternehmensstimmung. Unsicherheit ist Gift für die Investitionstätigkeit, denn die Unternehmen können dann nur schwer abschätzen, ob sich die Investitionen in der Zukunft auch auszahlen. Im Zweifelsfall warten sie dann ab. Immerhin gibt es von der globalen Konjunktur hoffnungsvolle Signale: So beginnen die chinesischen Indikatoren sich wieder zu stabilisieren oder gar leicht nach oben zu bewegen. Auch von den USA kommen tendenziell gute Daten, wenngleich hier die Fiskalklippe weiterhin für Unsicherheit sorgen dürfte.

Prognosen? Schwierig!
Insgesamt rechnen wir für Deutschland mit einer leichten Schrumpfung des Bruttoinlandsprodukts im vierten Quartal. Noch lastet die Schuldenkrise auch auf Deutschland, doch die Rahmenbedingungen sind unverändert gut. Wenn die Unsicherheit wieder gewichen sein wird, dann dürften das günstige Zinsumfeld, der Nachholbedarf bei den Investitionen und ein gutes Konsumumfeld die Wachstumsraten merklich in die Höhe schnellen lassen. Doch das ist derzeit noch Zukunftsmusik.

Ein Konjunkturkommentar von Dr. Ulrich Kater (Chefvolkswirt der DekaBank)

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