Konjunkturelle Schlaglöcher, aber kein Anlass zur Sorge

Alexander Fuchs

Ein Konjunkturkommentar von Dr. Ulrich Kater (Chefvolkswirt der DekaBank):

Die Produktion im deutschen produzierenden Gewerbe stagnierte im Januar und blieb damit hinter den Erwartungen zurück.

Aber auch wenn die jüngsten Industriedaten nicht euphorisierend waren, unterm Strich steuert das erste Quartal auf eine gesamtwirtschaftliche Expansion hin. Unterstellt man für Februar und März eine Stagnation, so ergibt sich für das erste Quartal ein beachtliches Plus in der Bauproduktion sowie beim Einzelhandelsumsatz. Und auch die Industrieproduktion wartet noch mit einem leichten Plus auf.

Dass die Erholung in Deutschland keine Einbahnstraße ist, zeigt auch der ifo-Index. Die Stimmung der deutschen Unternehmen hat sich im März nach vier Anstiegen in Folge erstmals wieder eingetrübt: Das ifo Geschäftsklima sank um 0,7 auf 106,7 Punkte. Sowohl die Lagebeurteilung (Rückgang um 0,3 Punkte) als auch die Geschäftserwartungen (Rückgang um 1,0 Punkte) sanken. Der Zeiger der um den strukturellen Pessimismus bereinigten ifo-Uhr hat damit einen kleinen Teil der Vormonatsbewegung wieder korrigiert, steht aber immer noch im „Boom“-Quadranten.

Krisenländer Italien und Zypern

Im Frühjahr gab es zwei potenzielle Schlaglöcher, eines in Italien und eines in Zypern. Und zielsicher steuerte die europäische Politik in diese hinein. Dass Italien möglicherweise keine neue Regierung zustande bekommen wird, hat man noch gelassen hingenommen. Der Umgang mit der Zypernkrise war wohl – für bis zu 15 % der befragten Unternehmen – dann doch zu viel. 85 % der befragten Unternehmen hatten ihren Fragebogen aber schon vor der Eskalation in Zypern abgegeben. Hier droht bei der nächsten Befragung Ungemach, sollte es zu keiner entspannenden Lösung kommen.

Der Rückgang im März muss aber auch vor dem Hintergrund der rasanten Stimmungsverbesserung in den Vormonaten gesehen werden. Bei den Unternehmen herrschte fast schon Hochstimmung. Allein der Riesensprung der Geschäftserwartungen im Vormonat um 4,0 Punkte – immerhin der viertgrößte Anstieg in der gesamtdeutschen Geschichte – hätte auch eine technische Gegenreaktion erwarten lassen. Nun stehen die Geschäftserwartungen der Unternehmen aber immer noch drei Punkte über dem Januar-Niveau!

Der Gegenwind für die deutsche Konjunktur hat zugenommen. Doch ein Abdriften in rezessive Gefilde ist gegenwärtig nicht zu befürchten. Nun muss aber schnell Klarheit über die Verhältnisse in Italien und Zypern geschaffen werden, damit die Verunsicherung nicht wieder zunimmt und die Erholung gefährdet.

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